Test the West!

Test the West! Karikaturisten aus Ostdeutschland
Ausstellung/Exposition im W. Busch-Museum, Hannover
28.08-27.11


Le W. Busch-Museum présente les oeuvres d'une caricaturiste et de 9 des homologues féminins originaires d'Allemagne de l'Est et qui se sont intéressés aux changements et aux évolutions de la société est-allemande à la suite de la réunification. Un catalogue de 100 pages et 250 illustrations est disponible au Schaltzeit-Verlag (8,5 euros), dont nous avons déjà mentionné les ouvrages publiés récemment sur Rainer Hachfeld et Rainer Stuttmann.

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Eine Karikaturistin und neun Karikaturisten aus Ostdeutschland stellen die neue Bundesrepublik auf den Prüfstand. Test the West! war in der Nachwendezeit ein im Osten allgegenwärtiger Slogan aus einer Zigaretten-Werbekampagne. Dieser wurde als Pseudonym für den gesellschaftlichen Wandel auch von den Karikaturisten oft und in unterschiedlichster Form aufgegriffen: Anschaulich spiegeln die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten die Veränderungen und Entwicklungen, die sich für die Zeichner sowohl in künstlerischer als auch persönlicher Hinsicht durch die Wiedervereinigung und dem damit verbundenen Aufbruch in ein neues Gesellschaftssystem ergaben.

Im Rahmen der Ausstellung Test the West! werden rund 250 Arbeiten von neun Künstlern und einer Künstlerin gezeigt, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind und zum Zeitpunkt der Wende am Beginn ihrer Karriere als Zeichner standen: Rainer Ehrt, Ulrich Forchner, Cleo-Petra Kurze, Andreas J. Mueller, Nel (Ioan Cozacu), OL (Olaf Schwarzbach), Andreas Prüstel, Rainer Schade, Peter Thulke und Ottfried Zielke.

Die Generation dieser am Ende der 1980er Jahre etwa 30- bis 40jährigen Künstler war kaum angepasst. Bei ihnen handelte es sich eher um Aussteiger, die sich von ihrer inneren Haltung her meist weit ab vom Mainstream befanden und in einem distanzierten Verhältnis zur offiziellen Ideologie der DDR standen. Sie gehörten einer lebendigen Künstlerszene an, die sich neben dem offiziellen Kunstbetrieb etabliert hatte, und waren aktiv an den Diskussionen zum Niedergang des Sozialismus beteiligt. Neben ihrer Auseinandersetzung mit dem überkommenen System waren sie ständig auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten und neuen Formen der Einflussnahme sowie der Meinungsäußerung in einer stark reglementierten Öffentlichkeit.

Provokation im Rahmen des Möglichen war angesagt. Man wollte wachrütteln und aus der Enge ausbrechen. Dabei bedienten sich die Künstler der visuellen Poesie und weltweiter Mail-Art-Projekte, produzierten Denkzettel, Postkarten und Plakate in Eigenproduktion. Sie verkauften kritische Druckgrafiken, organisierten Ausstellungen, Lesungen und Diskussionsrunden in Privatwohnungen. Es war eine kreative und bewegte Zeit in der DDR der 1980er Jahre, an deren Ende der ersehnte politische Umbruch stand. Hier setzt das in Zusammenarbeit mit der Cartoonlobby e.V. in Luckau realisierte Ausstellungsprojekt an und wird zu einer Art Spurensuche entlang des Werdeganges ostdeutscher Zeichner und ihres Hineinwachsens in eine neue Gesellschaft.

Eindrucksvoll dokumentieren die in der Ausstellung gezeigten Werke den Prozess des Wandels ebenso wie die Qualität und Vielseitigkeit hinsichtlich der künstlerischen Ausdrucksformen. Daneben bezeugen sie mit Humor und Satire, dass man in der neuen Gesellschaft angekommen ist, sich aber dennoch eine ostdeutsch geprägte Sicht auf die Verhältnisse bewahrt hat.

Publikation zur Ausstellung: Test the West! Karikaturisten aus Ostdeutschland
(100 Seiten mit 250 Abbildungen, Schaltzeit Verlag – Berlin), 8,50 €.

Eröffnung: Sonntag, 28. August 2011, 11.30 Uhr
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